Geburtswehen und neues Preisbewusstsein
Die Geschichte hat wiederholt gezeigt, dass immer dann, wenn die Menschenwürde
am stärksten gekränkt war, der Niedergang eines Gewaltimperiums
und, damit verbunden, ein Paradigmawechsel bevorstehen kann. Dieser Artikel
zeigt Zusammenhänge zwischen menschlichem Verhalten und den Vorgängen
rund um die Geburt auf. Er leuchtet die Hintergründe der Geburtswehen
einer neuen Gesellschaft aus und kann uns leuchtender Leitfanden in dunklen
Zeiten sein.
Von Willi Maurer
Globalisierung und Privatisierung unter der Leitung rücksichtsloser
Manager bringen es immer mehr an den Tag in welche Sackgassen das gewinnorientierte
ökonomisches Denken und Handeln führen kann. Habgier, Ausbeutungs-
und Gewalttendenzen haben ihre Wurzeln im verpassten Imprinting, dem alle
Sinne umfassenden Kontakt des neugeborenen Babys zu seiner Mutter, im Anschluss
an die Geburt und in den ersten Lebensmonaten. Zu dieser Überzeugung
bin ich durch meinen eigenen Selbsterforschungsprozess und die Erfahrungen,
die ich in rund 20-jähriger Gefühls- und Körperarbeit mit
Menschen erworben habe, gelangt. Die frühe Mutter-Kind-Beziehung ist
von fundamentaler Bedeutung für das menschliche Handeln.
Unglücklicherweise wird die Sparschraube immer dort angesetzt wo am
wenigsten Widerstand zu erwarten ist. So ist es vor allem das Baby, das
die Konsequenzen des Sparens mit aller Härte zu spüren bekommt.
Es leidet einerseits an den Folgen der Medikalisierung und Hospitalisierung
der gebärenden Mütter (vordergründig als kostensparend deklariert)
und unter den seelischen «Sparmassnahmen» der Eltern, wenn sie
unter Mangel an Liebe oder Stress und Überforderung leiden. Doch gerade
dies trägt dazu bei, dass im Baby die menschlichen Anlagen entstehen,
die das Weltgeschehen mitprägen. Wir alle, sei es als SparerInnen,
ÖkonomInnen, Manager, KonsumentInnen, PatientInnen oder zukünftige
Eltern, können zur Geburt einer besseren Welt beitragen. Damit wir
dies auf lohnende Weise tun können ist es vorerst einmal erforderlich
ein gesundes «Preisbewusstsein» zu entwickeln.
Gesundheit ist die Fähigkeit,
auf ungesunde Situationen mit Symptomen zu reagieren,
diese wahrzunehmen und daraus lernend das eigene Verhalten zu verändern.
(Willi Maurer, 1998)
Die Bewegung hin zur natürlichen Geburt war ein Weg in die richtige
Richtung, aber es fehlt immer noch an individuellem und gesellschaftlichem
Bewußtsein über die weitreichende Bedeutung der Geschehnisse
der allerersten Lebenszeit, vor allem des Tragens der Babys am Mutterleib.
Dies ist eine Folge davon, daß wir unsere eigenen, allzu schmerzlichen
Erfahrungen der frühesten Kindheit verdrängt und abgespalten haben.
Unsere Abgespaltensein hat gravierende Folgen, die weit über das hinausgehen,
was wir uns vorstellen können. Erst durch die Konfrontation mit unserem
eigenen Schmerz sind wir fähig, das Ausmass der Schäden eines
verhinderten Imprintings erkennen zu können.
Um Auswege zu finden, müssen wir zuerst erkennen, wovon wir abgespalten
sind und welche Funktion unser Abgespaltensein hat. Dann erst können
wir ermessen, welcher Einfluss das verhinderte Imprinting auf unser eigenes
Leben und die Gesellschaft hat.
In meinem Buch «Zugehörigkeit - Der verpasste Augenblick - ist
er nachholbar?» beschreibe ich solche grundsätzlichen Zusammenhänge.
Anläßlich des Kongresses «Embryologie, Therapie und Gesellschaft»
(Nijmegen NL, 2002) tauschten VertreterInnen verschiedenster Fachgebiete
(Geburtshilfe, Therapie, Klon- und Gehirnforschung, Kriminologie) ihre Erfahrungen
aus.
Wird das Imprinting infolge einer Geburt unter Anästhesie oder durch
das Weglegen des neugeborenen Babys verunmöglicht und wird es mit seinem
Weinen allein gelassen oder dafür mit Liebesentzug oder körperlicher
Züchtigung bestraft, erlebt das Neugeborene existentielle Angst, Gefühle
des Mangels, der Ohnmacht, des Hasses und der Resignation. Diese Gefühle
und die damit verbundenen Situationen sind so schmerzhaft, daß sie
vom Baby, das dies wiederholt erleben muss, abgespalten werden. Eine Milderung
seiner Not erhält es durch Ersatzmittel die ihm angeboten werden. Dadurch
kann es sich beruhigen und findet ein Stück «Pseudogeborgenheit».
Die meisten Menschen sind von klein an gewohnt, ihr primäres Bedürfnis
nach Körperkontakt zu übergehen und Trost bei Ersatzobjekten zu
finden. Erst ist es der Schnuller oder die Babyflasche, dann sind es Süssigkeiten,
Puppen oder Plüschtierchen. In späteren Jahren erfüllen Statussymbole,
exzessiver Konsum von Nahrung, Waren, Genussmittel, Drogen und Schmerzmitteln
diesen Zweck.
Die abgespaltenen Gefühle und vergessenen Erfahrungen der ersten Lebensmonate
haben verheerende Auswirkungen im sozialen Verhalten des Menschen und können
sich auf folgende Weise manifestieren:
- Verlust der natürlichen Instinkte und Orientierungslosigkeit. Tendenz,
in herkömmlichen Glaubens- und Wissenssystemen und «Erziehungsrezepten»
Sicherheit zu finden.
- Gewalt, männliche Machtstrukturen, Aufrüstung und Abschreckungsstrategien
als Abwehr des Gefühles der Ohnmacht.
- Ausbeutung, habgieriges Shareholderdenken als Kompensation der Gefühle
des Mangels.
- Exzessive Konsumgewohnheiten zur Befriedigung der Raffgier, als Kompensation
der Gefühle der Einsamkeit, des Mangels an Liebe und Zuwendung.
- Geschwächtes Immunsystem als Folge gekränkter Menschenwürde,
der Vorenthaltung des Kolostrums (Vormilch der Mutter, die natürliche
Abwehrstoffe enthält) und der Verabreichung von Ersatznahrung.
- Neigung zum Eingehen von Unfall- und Katastrophenrisiken als Folge mangelnder
Wertschätzung des Lebens.
- Mobilität als Flucht vor der Einsamkeit und Verlassenheitsgefühlen
die sich im Hier und Jetzt melden.
- Umweltverschmutzung und Ausbeutung aufgrund des fehlenden Bezuges zur
«Mutter Erde».
- Rassenhaß als Ausdruck des Gefühles, ungerecht behandelt und
zu kurz gekommen zu sein (vor allem dann, wenn ein nachfolgendes Geschwister
die Aufmerksamkeit und Fürsorglichkeit der Eltern bekommen hatte).
- Beziehungsstörungen, Verlieben an Stelle von Lieben.
- Gestörtes Sexualverhalten, Pornographie und sexuelle Gewalt als Rache
für Zurückweisung und Mangel an Kontakt in den ersten Lebensmomenten.
- Diebstahl und Betrug als Kompensation des Gefühles, zu kurz gekommen
zu sein.
- Gleichgültigkeit gegenüber den realen Bedürfnissen neugeborener
Babys, Gefühle der Überforderung, Ärger über ihr Weinen
und die unbewusste Tendenz, andern das anzutun was uns selber geschehen
ist, führt zum Weglegen der Babys ins Kinderzimmer.
- Machtausübung im Gebärsaal durch GeburtshelferInnen und BetreuerInnen,
die von ihrem eigenen Geburtserleben abgespalten sind, verunmöglicht
das Imprinting, Folge: Verlust der natürlichen Instinkte und Tendenz,
in Glaubens- und Wissenssystemen Sicherheit zu finden.
Wir sehen, daß sich bei den letzten zwei Aspekten die «Schlange
in den Schwanz beisst» d.h., dass sich der verheerende Teufelskreis
fortpflanzt. An diesem Punkt entscheidet sich, ob die neue Generation ebenfalls
von ihren ursprünglichen Gefühlen abgespalten sein wird. Glücklicherweise
wächst in unserem Kulturkreis die Anzahl der Mütter und Väter,
die ihre Babys während der ersten Lebensmonate am Körper tragen
und die Selbstkompetenz des Kindes würdigen.
Im Gegenzug wird aber die Kaiserschnittgeburt als sicherste und schmerzloseste
Geburt der Zukunft angepriesen. Dabei wird verschwiegen, dass Bequemlichkeit,
Zeitersparnis und Gewinnabsichten die wirklichen Bewegegründe sind.
Unter dem Vorwand erhöhter Sicherheit und Sparsamkeit ist allgemein
ein Trend zur Technologisierung der Geburt zu beobachten. So ist es inzwischen
zur Normalität geworden, dass Geburten unter Epiduralanästhesie
(lokale Betäubungsspritze, in vielen Kliniken bis zu 100%) stattfinden
und dass ein Grossteil der Geburten Kaiserschnittgeburten sind. In Italien
(1), Südafrika (2), USA sind es rund 70% (es gibt Kliniken mit 90%),
in der brasilianische Oberschicht 87% (3). Die Folgen davon sind verheerend,
doch leider zu wenig bekannt. Deshalb ist es mir ein Anliegen, das Ausmass
an menschlichem Leid und die immensen sozialen Kosten, die durch diese Unwissenheit
und Versäumnisse entstehen, aufzuzeigen.
Anläßlich des Kongresses «Embryologie, Therapie und Gesellschaft»
(Njimegen NL, 2002) kamen rund 1200 ExpertInnen und TeilnehmerInnen miteinander
überein, daß die Gewalt- und Selbstzerstörungstendenzen
des Menschen den Ursprung in traumatisierenden Erlebnissen vor, während
und direkt nach der Geburt haben.
Michael Odent wies auf Forschungen hin, die aufzeigen, daß die Epiduralanästhesie
bei Schafen dazu führe, daß sie das Lämmchen verstoßen.
Bei der späteren Mutterschaft des erwachsengewordenen Lammes zeigte
dieses gegenüber seinem Jungen (obwohl ohne Epiduralanästhesie)
das gleiche Fehlverhalten. Es ist anzunehmen, daß derartige Geburtsmethoden
genauso wie bei Schafen, auch beim Menschen das Imprinting verunmöglichen,
und damit wird eine Matrix für menschliches Leid, Destruktivität
und Abgespaltenheit angelegt.
Ein Grossteil der Geburtskomplikationen, die ärztliche und medikamentöse
Behandlung notwendig machen, wird geradezu durch die von Ärzten empfohlene
(oder aufgezwungene) horizontale Gebärlage, die die Mitwirkung der
Schwerkraft ausschaltet, verursacht. In den Niederlanden, wo die Hebammen
über die Geburtsabläufe und den Beizug von ärztlicher Hilfe
bestimmen, ging die Säuglingssterblichkeit und der Prozentsatz von
Saugglocken- und Zangengeburten (verantwortlich für schwere Schädigungen)
massiv zurück.
Eindrückliche Angaben über Schädigungen und deren Vermeidung
bei Frühgeborenen, konnte die Wiener Kinderärztin Marina Marcovich
machen. Sie legte Frühgeborene nicht mehr in den Brutkasten, sondern
auf den Bauch der Mütter und verzichtete weitgehend auf den Gebrauch
der Intensivmedizin. Dabei stieß sie auf massivsten Widerstand ihrer
Ärztekollegen, die sich auch durch folgende Zahlen nicht überzeugen
liessen:
- Die Sterblichkeit der Frühgeborenen unter 1500 gr. verminderte sich
von 28% (österreichischer Landesdurchschnitt) auf 15%. Man könnte
sagen, dass die verbesserte Lebensqualität die Säuglinge veranlasst
hat, sich für das Leben zu entscheiden.
- Die Langzeitschäden (schwere Behinderungen) als Folge von von Gehirnblutungen,
verminderten sich von 30% auf 4%.
- Die irreversiblen Lungenschäden als Folge der Dauerbeatmung von Frühgeborenen
mit bronchopulmonarer Dysplasie, verminderten sich von 60% auf 0%.
- Ausserdem trat kein einziger Augenschaden und keine Darmbeschädigung
auf.
Diese Zahlen werfen die Frage auf, ob die ärztlichen Maßnahmen,
die vorgeben die Sicherheit zu erhöhen und damit kostensparend zu sein,
nicht vielmehr Schaden verursachen als verhüten. Und dies nicht nur
auf Frühgeburten bezogen, sondern allgemein auf medikalisierte Geburten.
Der Pränatalpsychologe Thomas Verny sagte: «Genauso wie wir im
Mutterleib Beine, Arme und Hände entwickeln, bilden wir dort bereits
unsere basale Affektivität als Antwort auf unsere Umwelt. Umwelteinflüsse
wie Freude, Stress, Gewalt, Ablehnung und Nahrungsmangel lassen im Gehirn
des heranwachsenden Embryos diejenigen Fähigkeiten und Strategien entstehen,
die ihm als Antwort auf diese Einflüsse dienen. Wenn z.B. ein Wesen
im Mutterleib einen Mangel an Nahrung erfährt, spezialisiert er sich
darauf, das Wenige möglichst gut zu verwerten. Dennoch bleibt ein Mangelgefühl
erhalten, das nach der Geburt den Menschen veranlaßt mehr zu essen,
als zur Sättigung eigentlich notwendig wäre. Dies kann sich auch
auf der psychologischen oder seelischen Ebene als Habgier, Besitzanspruch
oder Anklammerungstendenz äussern.»
Durch vorgeburtliche Einflüsse entsteht eine Art Matrix im Gehirn des
werdenden Kindes. Das Gehirn ist also bei der Geburt auf Grund der vorhergehenden
Erfahrungen bereits auf die zu erwartenden Umstände vorbereitet und
hat die fürs Überleben notwendigen Nervenbahnen und deren Verknüpfungen
ausgebildet, während ungenutzte Potentiale verkümmern.
Solange wir aufgrund des Abgespaltenseins unfähig sind, die wirklichen
Bedürfnisse von Neugeborenen wahrzunehmen, agieren wir auch weiterhin
aufgrund unserer Projektionen, unseres Irrglaubens oder unseres angelernten
Schulwissens. Dies hat in der Geburtshilfe schreckliche Konsequenzen: Unbewußte
Sabotage der Lebensqualität, Unglück und die oben aufgeführten
Folgekosten. Unsere Anlagen bieten im Weiteren auch Manipulationsmöglichkeiten,
die machtbesessenen Brandstiftern gelegen kommen und ein Ausbeutungspotential
das multinationalen Gesellschaften, willkommen ist. Es darf deshalb nicht
verwundern, dass diese Kreise ihren massgebenden Einfluss bei der Finanzierung
von Forschungsprojekten geltend machen und Forschungen die die erwähnten
Zusammenhänge ans Licht oder eine gesellschaftliche Diskussion in Gang
bringen könnten, zu verhindern versuchen.
Gibt es Auswege?
Meine Erfahrungen, die durch Forschungen u.a. vom Neurobiologen Gerald Hüther
bestätigt wurden, weisen darauf hin, dass starke emotionelle Erlebnisse
während und kurz nach der Geburt (auch in existentiellen Lebenskrisen
und Therapieprozessen), diese Matrix auflockern kann. Dies ermöglicht,
dass die Matrix mit neuen positiven oder, je nach Situation, erneut mit
negativen Inhalten überschrieben werden kann. Die äussert sensible
Periode während und nach der Geburt hat somit einen massgebenden Einfluss
auf das zukünftige Leben eines Menschen. Aber - und das ist besonders
wichtig zu wissen - auch die Matrix der Mutter und des Vaters, vorausgesetzt
dass sie bei vollem Bewusstsein anwesend sind, wird aufgeweicht und kann
ebenfalls mit neuen Inhalten überschrieben werden. Deshalb hat das
Geburtserlebnis eine Schlüsselfunktion bei der Auflösung des Teufelskreises
und der Gewaltprävention.
Mutterfreuden können jedoch trotz aller guten Absicht getrübt
werden, und zwar dann, wenn das angekommene Baby in der Mutter den (bislang
verdrängten) Schmerz über all das Vermisste aus der eigenen Kindheit
anrührt. Dann ist Grund zur Trauer! Sie will gelebt sein und Ausdruck
finden im Weinen und im Grollen. Dies führt zum Erkennen des eigenen
inneren kleinen Kindes, das genauso erkannt und ans Herz genommen sein möchte
wie das gerade Geborene. Mütter, die in diesem Bedürfnis keine
liebevolle Unterstützung finden oder sich gegen diese tiefen Gefühle
sträuben, erleben oft eine postnatale Depression (die Schulwissenschaft
konnte bis heute kein befriedigendes Erklärungsmodell dazu liefern).
Wenn die Trauerarbeit der Mutter (und des Vaters, der sonst zum Rivalen
des Neugeborenen wird) nicht stattfinden kann, wird das Kind zu einem Störfaktor
in der Paarbeziehung. Dann wird das Baby mit seinen Bedürfnisäusserungen
in Form von Weinen (von der Schulwissenschaft hilflos als 3-Monats-Kolik
bezeichnet) die Eltern schnell überfordern. In ihrer Hilflosigkeit
neigen sie dazu, sich ausgerechnet des am zerstörerischten wirkenden
Machtmittels zu bedienen, jenem das seit Jahrtausenden das Unheil auf die
nächste Generation überträgt: Abschieben ins Kinderzimmer,
um endlich Ruhe zu haben.
Es wäre schön, wenn der Mann während den Wochen nach der
Geburt seiner Frau eine «gute Mutter» sein könnte, damit
sie sich geschützt und aufgehoben fühlen kann. Die emotional tiefgehende
Berührung durch das Geburtserlebnis löst auch in ihm solche fürsorglichen
Impulse aus. Mit großer Wahrscheinlichkeit sind aber auch in ihm als
Vater Gefühle der Bedürftigkeit angerührt.
Häufig reagieren Väter dann vordergründig mit Eifersucht
auf die Zuwendung, die die Partnerin dem Baby entgegenbringt. Diese Eifersucht
kann sich leicht hinter rationaler Argumentation verstecken. z.B. hinter
der Aufforderung, das Baby nicht zu verwöhnen oder daß es lernen
müsse, alleine im Kinderzimmer zu sein. Dies bedeutet, daß auch
der Mann an seine noch unbewußte frühe Kindheit erinnert wird.
Doch er hat gelernt, seine Gefühle zu verstecken (eben hinter seiner
Rationalität), und so fällt es ihm schwerer als der Frau, mit
seinen wirklichen Gefühlen und seinem Schmerz in Kontakt zu kommen.
Ideal wäre es, wenn werdende Eltern sich im Wissen um diese Gelegenheit
heil zu werden, gut auf die Geburt vorbereiten würden. Sie könnten
dafür die Hilfe einer «wegkundigen» Person, die sich in
therapeutischer Begleitung auskennt, in Anspruch nehmen. Erfahrungen in
den Niederlanden und in den USA mit sogenannten Doulas zeigen, daß
diese Art liebevoller und kompetenter Hilfe sehr fruchtbar sein kann. Denn
nie im Leben ist es so leicht wie bei der Geburt eines Kindes, Kontakt zum
eigenen inneren Kind zu finden und damit ein Stück Abspaltung aufzuheben
und ganz zu werden.
Falls du bereits auf dem Weg bist und etwas Konkretes tun willst:
Zahle den Preis bewusst
für alles, was du tust und auch für alles, was du vermeidest.
Wer sich weigert, bezahlt den Preis als Opfer der Umstände
Du hast die Wahl
Lebe preisbewusst!
(Willi Maurer, 1998)
Nur wenn wir «preisbewusst» werden, entwickeln wir die Bereitschaft,
in folgend aufgeführte Massnahmen (die ich an dieser Stelle auf die
ökonomischer Ebene beschränke) zu investieren.
- Bezahlter einjähriger Mutter- und Vaterschaftsurlaub der Geburtsvorbereitungen
und Betreuung das Babys ermöglicht.
- Existenzsichernde Mutter-/Vaterschaftsbeihilfe für Alleinerziehende
- Soziale Gemeinschaftswohnprojekte für alleinerziehende Mütter
und Väter
- Gerechte Kostendeckung für Hausgeburten und Entlöhnung der Hebammen
- Kompetenzübergabe betreffend der Geburt an die Hebammen
- Kostenloser sozio-therapeutischer Betreuungsdienst (Doulas)
- Einführung neuer Währungssysteme (siehe z.B. Joytopiamodell,
Die natuerliche Oekonomie)
Willi Maurer
HOLON-Arbeitsgruppe «Friedensarbeit und Gewaltprävention»
1) AAM-Terra nuova, ed. 7/2001
2) Didierjean-Jouveau Claude, Pour une naissance à visage humain,
ed. Jouvence.
3) Zeitpunkt, 8/02
Willi Maurer begleitet seit zwanzig Jahren suchende Menschen mit Gefühls-
und Körperarbeit und unterrichtet Aikido. Im Netzwerk HOLON ist er
zuständig für die Arbeitsgruppe «Tiefenpsychologische Zusammenhänge».
Ausführlich dargestellt hat W. Maurer seine aus einem aussergewöhnlichen
Selbsterfahrungsprozess und seiner Arbeit mit gewalttätigen Jugendlichen
gewonnenen Erkenntnisse im Buch «Zugehörigkeit. Der verpasste
Augenblick - ist er nachholbar?».
Weitere Publikationen zum Thema:
- Artikel «Die verschüttete Quelle des Friedens» auf der
Homepage www.holon.ch
- Artikel im HOLON-Journal Nr.12, Thema «Wachstum und Bildung»
(noch erhältlich)
- Artikel im aktuellen HOLON-Journal Nr.17, Thema «Humane Wirtschaft»
Literatur:
Hueckstaedt Bernd, Die natuerliche Oekonomie, Joytopia, E-mail: joytopia@aol.com
Hüther Gerald, Biologie der Angst, Vandenhoeck
Kennedy Margrit, Geld ohne Zinsen und Inflation, Goldmann
Liedloff Jean, Auf der Suche nach dem verlorenen Glück, Beck'sche Reihe
Maurer, Willi, Zugehörigkeit. Der verpasste Augenblick - ist er nachholbar?,
im Eigenverlag, erhältlich beim Autor oder bei Buch 2000, Obfelden
Wild Rebeca, Lebensqualität für Kinder und andere Menschen, Beltz
Infos im Internet zum Thema Imprinting:
www.continuum-concept.de
www.birthworks.org/primalhealth/
www.fraternet.org/naissance//docs/pau-fr.htm
www.psc.uc.edu/hs/HS_Prescott1.htm
http://home.sunrise.ch/maurer_/
Kongress für Embryologie, Therapie und Gesellschaft (Nijmegen NL, 2002)
Mitschnitte von Vorträgen (Videos und Audiokassetten) sind erhältlich
bei: Congress-Office Congress 2002, Stationsstraat 48, NL-6584 AW Molenhoek,
Tel: +31 24 35 82 934 E-mail: info(c)congress2002.com
- Barbara Findeisen: The Pschological Importance of Pre- and Perinatal Life
- Marina Marcovich: Neue Wege der Frühgeborenenbetreuung
- Gerald Hüther: Pränatale Psychologie und Gedächtnisforschung
- Terence Dowling: Gesellschaftliche Gewalttätigkeit im Umgang mit
Babys
- Thomas Verny: Roots of Violence
Baby-Tragetuch-Kurse, Tragetücher, Beratung:
www.babytragen.com
www.carryme.ch
BEGEHRTE FRÜCHTE
Öko-spiritueller Wander-Workshop mit Willi Maurer
In Zeiten der Globalisierung, Privatisierung und der damit verbundenen Machtverschiebung,
scheint es dem Individuum immer schwerer, seine Mitverantwortung und Mitbestimmung
für das Geschehen auf dieser Welt wahrzunehmen. Das von W. Maurer entwickelte
Rollenspiel "Begehrte Früchte", gefolgt von einer Fantasiereise
in frühe Kindheitssituationen, führt zu tiefgehenden Reflexionen
über:
- Psychologische Hintergründe, die unser Denken, Handeln und Fühlen
und damit unsere Wahl der Konsumgüter beeinflussen.
- Die Herkunft unserer Ängste, die uns manipulierbar machen; des innerern
Mangels, der uns verführbar macht; die Sehn-Sucht, die uns Träumen
nachhängen lässt; des Gefühles der Machtlosigkeit, das uns
resignieren lässt.
- Unsere Macht, über die wir als KonsumentInnen verfügen.
Nächster Termin: Sa 7. Dez. 02 um ca. 16 Uhr im Rahmen der Veranstaltung
«Geld und Spiritualität» (10-22 Uhr) im Saal der offenen
Kirche St. Jakob, Stauffacherstr. 8, Zürich (Kosten: Beitrag zur Unterstützung
von Neve shalom/waht al-salam)
Auf Anfrage, auch für Gruppen mit mind. 15 TeilnehmerInnen, am von
Ihnen bestimmten Ort. (Dauer: ca. 2 Std.)
Info: Willi Maurer, Doné, CH-6994 Aranno
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