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Zarlengas These, dass «eine falsche Definition des Geldbegriffs häufig dazu führt, dass bestimmte Gruppen Macht über das Geldwesen einer Gesellschaft und damit auch über die Gesellschaft selbst ausüben können», wird mit der Beschreibung der Geschichte dieser monetären Machtausübung - vom Tauschhandel bis hin zum Euro - belegt. Hier ein Ausschnitt aus dem Buch von Zarlenga, zum Thema: Der Kampf um die Macht der Geldschöpfung. – von Markus Rüegg

Das Tabu Geld

Woher nimmt der Geldadel seine Macht?
Das am besten gehütete Geheimnis

«Geld regiert die Welt.» «Über Geld spricht man nicht, Geld hat man.» «Geld stinkt.» Geld ist nach wie vor eine Mysterium. Gerade in der Schweiz, dem Land mit der direktesten Demokratie der Welt, ist es offensichtlich, dass die Demokratie eine Scheindemokratie bleibt, solange sie nur auf die politische Ebene beschränkt bleibt. Spätestens seit dem Scheitern der Energievorlagen sollte es allen klar geworden sein, dass sich mit genügend Geld praktisch jede Abstimmung gewinnen lässt. Für alle die sich irngendwo für eine bessere Welt engagieren, ist es deshalb von grundlegender Bedeutung, sich über die Wurzeln der Macht bewusstzuwerden. Was ist die Basis der Macht des Systems? Woher kommt all das Geld? Wie funktioniert ihre Geldmaschine?

Im Jahr 1666 gab es in England einen verdeckten, aber sehr entscheidenden Machtwechsel. Damals gelang dem immer reicher (und dadurch stärker) werdenden Geldadel der erste Schritt, dem König (Staat) das Recht auf die Geldschöpfung zu entreissen. Das Recht, Geld aus dem Nichts zu schöpfen und gegen (z.T. horrende) Zinsen auszuleihen ist bis heute die wichtigste Basis der Macht in unserem System. Der Free Coinage Act war sozusagen ein verdeckter Staatsstreich, erst in England, dann nach und nach in allen Ländern mit angeblich «freiem Markt».

Der heimliche Staatsstreich
«Der Free Coinage Act sah vor, dass jedermann Gold- und Silbermünzen prägen lassen konnte. Um die Verabschiedung dieses Gesetzes zu bewirken, hatte sich die bitische Ostindiengesellschaft, die mit Indien weiterhin Handel mit Metallen betrieb, laut Del Mar massiver Bestechung bedient.
Das vorgeschlagene Verfahren war jedoch nur auf den ersten Blick einfach und unproblematisch; in der Praxis bedeutete es, dass die Kontrolle über die Erhöhung oder Verknappung der verfügbaren Geldmenge mit der Verabschiedung dieses Gesetzes aus den Händen der Krone (d.h. der Nation) in die Hände der Kaufleute und Finanziers geriet. ... Del Mar sah in dieser Taktik einen Wendepunkt in der Geschichte des Geldwesens: Der Free Coinage Act machte vor allem das königliche Münzregal zunichte, anullierte den Mixt Moneys Case und leitete auf dem Handelssektor eine ganze Serie von Paniken und Katastrophen ein, wie sie bis zu dieser Zeit nicht bekannt waren.
«Die Aneignung des königlichen Münzrechts durch die Klasse der Goldschmiede ging auf so heimliche Art vonstatten, dass diese Tatsche in der Geschichtsschreibung kaum und in den Werken über politisch Ökonomie überhaupt keine Erwähnung findet ..., ein schagender Beweis - wenn denn einer nötig wäre - für die Voreingenommenheit und Einseitigkeit der Lehrer dieser Wissenschaft. Von allen Elementen politischer Ökonomie ist Geld das bedeutendste; von all den Institutionen des Geldes ist das Recht der Geldschöpfung das wichtigste; und doch findet dieses geheiligte Recht des Staates bei all diesen Ökonomen keinerlei Erwähnung.»
Del Mar hat recht. Zu diesem Thema ist fast nichts zu finden, nicht einmal in massgeblichen chronologischen Auflistungens der Geldgeschichte Englands. ...»

Das private Monopol der Geldschöpfung - der Staat im Staat
Heute läuft die Geldschöpfung in immer neuen, immer dreisteren Bahnen, zusätzlich zu den altbekannten. Das Börsen-Karussell dreht sich immer schneller und der Anteil der Derivate wird immer grösser. Der Missbrauch der Geldschöpfung nimmt immer unheimlichere Dimensionen an. Heute dient bereits 97% des Geldes nur noch der Spekulation, der Anteil der Realwirtschaft ist nur noch 3% (Lietaer). Länder werden geplündert (Argentinien), ganze Regionen werden zu Fall gebracht (Süd-Ost-Asien) und bis heute, wurde mehr als die Hälfte der Menschheit ins Elend getrieben. Und was passiert? Nichts! Es ist unglaublich. In den 333 Jahren, die sie nun an der Macht sind, haben sie gelernt, ihre Herrschaft so raffiniert zu perfektionieren, dass ihre Opfer immer bravere Schafe werden und sich immer zahlreicher für ihre eigene Unterdrückung stark machen (Konsum, Rechtspopulismus, Ignoranz, Workaholic, Rassismus, Flucht in die Sucht, alltäglicher Faschismus (Renggli)). Diejenigen die sich gegen diesen Ungerechtigkeiten wehren, kümmern sich nur im die Symtome (Ökologie- und Friedensbewegung), jene die Widerstand leisten (Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung) werden mit «sanfter» (Norden) oder brutaler Gewalt (Süden) eliminiert, kleben mit ihrer Analyse des Systems immer noch viel zu sehr am Marxismus fest und zerfleischen sich nach wie vor in Flügelkämpfen zwischen links und rechts. Bei der berechtigten Frage nach den Ursachen unserer Misere und den grundsätzlichen Alternativen zum herrschenden System besteht ein Vakuum (Porto Alegre, Davos). Schauen wir uns deshalb die falschen Fährten von Karl Marx und Adam Smith einmal etwas genauer an.

Karl Marx und Adam Smith
»... Die Parallellen zwischen Karl Marx und Adam Smith in mehreren Schlüsselbereichen sind verblüffend. Dies gilt besonders für jene Irrtümer, auf denen die Macht der Bank of England gründete.
Der falsche Krieg zwischen Handel und Arbeit
(Besser wäre eigentlich: Der falsche Krieg zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Anm. v. M.R.) Wie Smith postulierte auch Marx das Primat des Kampfes zwischen Kapital und Arbeit. Auch er definierte das Kapital als Produktionsmittel,
anstatt es im privaten Zentralbankwesen zu erkennen, dem Feind nicht nur des Handels und der Arbeit (der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer), sondern der ganzen Gesellschaft. Der Unterschied zwischen diesen beiden Nationalökonomen besteht darin, dass Smith mit der Verteidigung des Handels in diesem falschen Kampf eingriff, während Marx mit der Verteidigung der Arbeit einsetzte. Indes ist die falsche Definition dieses Kampfes bei beiden fast identisch. Die falschen Theorien bewirkten eine Verschärfung der Antagonismen zwischen Handel und Arbeit in der Wirtschaft (den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern) der westlichen Welt, die über hundertfünfzig Jahre bis zum heutigen Tag mit äusserst destruktiven Folgen andauerte. ...

Marx falsche Theorien nützen vor allem den Banken
... Indem Marx dieses Problem fälschlicherweise den industriellen Produzenten zuschrieb, lenkte er die Aufmerksamkeit weg vom eigentlichen Hauptproblem des exponentiellen Wachstums, das in den Zinszahlungen für das von der Bank geschöpfte Geld liegt. Auf diese Weise tat der Marxismus den Bankiers gleich einen zweifachen Gefallen. Erstens lenkte er die Aufmerksamkeit weg von ihrer wahrlich räuberischen Beziehung zur Gesellschaft. Zweitens richtete er jede Kritik, die der Vermögenskonzentration erwuchs, gegen die Grossindustriellen, also ausgerechnet gegen die wenigen potentiellen Gegner oder Konkurrenten der Bankiers.
Marx minimierte explizit die diesbezügliche Schuld der Bankiers, indem er behauptete, dass Cobbett und Doubleday mit ihrer Analyse, dass das Bankwesen «die Grundursache des Elends der modernen Völker» sei, Unrecht hätten. ...
Durch die Theorien von Adam Smith und Karl Marx entstand das Bild eines ständigen Kampfes zwischen Industrie und Arbeit. So wurde ein in ein rechtes und ein linkes Lager polarisiertes Staatswesen geschaffen, das von den hinter den Kulissen arbeitenden Bankiers - die weder eine liberale noch eine konservative, sondern einfach die Politik der Bank verfolgten - kontrolliet und gelenkt werden konnte. Weder das rechte noch das linke Lager erkannte diese Bankiers als ihre wahren Feinde.
Die Synthese der beiden Theorien förderte die Verbreitung der Warengeldtheorie, die schon längst als primitiv galt. Gleichzeitig leistete diese Synthese dem System einer privaten Zentralbank Vorschub, die zu ihrem Profit gesetzlich verankertes, abstraktes Geld schöpfte. ... Genau wie Adam Smith beinflusste Jevons seine Leser in dem Sinne, Geld als Ware zu betrachten, obwohl er wusste, dass die Privatbanken abstraktes Geld emittierten. Dieser Trick wurde immer und immer wieder angewendet und ging in die herrschenden Werke der Geldlehre ein.
So wurde die wahre Geldlehre allmählich aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit ausradiert. ...

Wie Bankiers die Geldtheorie beeinflussen
Es soll hier nicht unterstellt werden, dass Adam Smith, Karl Marx, Stanley Jevons und andere Gelehrte von den Banken speziell angeheuert und bezahlt wurden, um Werke im Sinne der Banken zu verfassen. Es ist nicht nötig, eine solche verschwörerische Verbindung zu postulieren, auch wenn solche Verschwörungen, wie Theodor Rogers folgert, sowohl in der Vergangenheit bestanden als auch heute noch bestehen. Daher sollten Forscher auch nicht davor zurückschrecken, den Begriff Verschwörung zu verwenden, um Verschwörungen zu bezeichen für die genügend Beweismaterial vorhanden ist. Die Beweisführung ist schwer, zumal dringendere Arbeiten anstehen.
Die Bankiers haben andere Methoden der Beeinflussung : Sie können sich einen Überblick über die derzeit geldwissenschaftliche Forschungselite verschaffen und sich jene Gelehrten herauspicken, deren plausible oder äusserst komplexe Theorien die Aktivitäten der Banken begünstigen. Sie können dann dafür sorgen, dass diese Ansichten gefördert werden und Kritik an ihnen unterdrückt wird, wobei die Gelehrten nicht einmal unbedingt wissen müssen, warum ihre Werke so positiv aufgenommen werden.
Wie leicht bedeutende Werke durch simple Nichtbeachtung verlorengehen und aus der Welt geschafft werden, zeigt das folgende Beispiel: Als James Frazer (der Autor von Der golene Zweig) ein Buch über Berkeleys Werke herausgab, suchte er lange vergeblich nach einem Exemplar von Berkeleys Querist, das er aufnehmen wollte. Erst im letzten Moment wurde er zufällig fündig. Auch das mir vorliegende Exemplar von Berkeleys Querist ist 250 Jahre alt.
Von grosser Bedeutung ist ferner die Tatsache, dass die meisten ökonomischen Lehrstühle an den einflussreichen Instituten und Universitäten der USA von Finanzinstitutionen - also Banken und verwandten Einrichtungen - finanziert werden.
Diese Gruppen nehmen direkten Einfluss darauf, mit welchen Personen diese massgebenden Lehrstühle besetzt werden, und damit auch darauf, mit welchen monetären Ansichten die nächste Generation von Ökonomen und Lehrern indoktriniert wird.» (Stephen Zarlenga, Der Mythos vom Geld - die Geschichte der Macht. S. 198-265)
Das ist natürlich nicht nur bei den Wirtschaftswissenschaften so, sondern auch bei allen andern Wissenschaften. Da das Geld auf der materiellen Ebene ein sehr zentraler Machtfaktor ist, sollten wir uns überlegen, wie wir die Prioritäten neu ordnen können, so dass wir mit unserem Engagement nicht genau so dazu beitragen, das System zu stabilisieren und aufrechtzuerhalten, vielleicht ohne dass uns das bewusst ist.

Das Buch kann bei Markus Rüegg bestellt werden (siehe unter kontakt).

Der Mythos vom Geld, die Geschichte der Macht
Stephen Zarlenga
Conzett Verlag
ISBN: 3905267004
sfr. 44.-

Rezensionen
Kurzbeschreibung
Zarlengas umfassende Geschichte des Mythos vom Geld - vom Tauschhandel bis hin zur europäischen Währungsunion, vermag Wissenschaftler, Fachleute und Laien gleichermaßen zu faszinieren. Dies ist die kritische Geschichte des Geldes und der Währung. Die oft überraschenden Thesen Zarlengas belegen, daß die säkulare Macht in einer Gemeinschaft vor allem von ihrem Geld- und Bankensystem ausgeübt wird - und nicht, wie wir naiverweise anzunehmen gewillt sind, von Regierungen und Volksvertretern.
Der Verleger, jurg@conzett.ch aus Zürich/Schweiz , 14. Mai 1999
Die Macht einer Gesellschaft wird vor allem von ihrem Geld- und Bankensystem ausgeübt. Regierungen und Volksvertreter stehen zwar im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, aber die wirklich wesentlichen gesellschaftlichen Fragen werden oft hinter den Kulissen, in Banken, Börsen und Devisenmärkten, entschieden. Zarlengas These, dass «eine falsche Definition des Geldbegriffs häufig dazu führt, dass bestimmte Gruppen Macht über das Geldwesen einer Gesellschaft und damit auch über die Gesellschaft selbst ausüben können», wird mit der Beschreibung der Geschichte dieser monetären Machtausübung - vom Tauschhandel bis hin zum Euro - belegt. Gerade im Hinblick auf die europäische Währungseinheit ist das Wissen über die Geschichte des Geldes von entscheidender Bedeutung, denn die Auswirkungen eines monetären Systems werden manchmal erst nach Generationen sichtbar. Zarlenga legt eine umfassende Geschichte des Geldes und der Währungen vor, die Wissenschaftler und Laien gleichermassen zu faszinieren vermag und die geeignet ist, unser Gesichtsfeld erheblich zu erweitern.


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