KMU plus Wirtschaftspolitischer
Täusistrasse 19 Informationsdienst
CH-8340 Hinwil Markus Rüegg
in diesem text formuliere ich meine ideen und visionen: wie können wir am besten zu einer friedlichen veränderung beitragen. welche strategien könnten heute am ehesten zu einem grundsätzlichen paradigmawechsel führen? für eilige auf der ersten seite zuerst eine zusammenfassung des ganzen artikels, anschliessend die ausführliche fassung.
zusammenfassung:
strategien für den paradigmawechsel
wenn wir eine neue welt kreieren wollen,
müssen wir sie vor allem selber leben, hier und jetzt.
«small is beautifull», «global denken - lokal handeln» «globalisierung von unten»... das bewusstsein ist bei vielen da, aber es mangelt noch an konkreten beispielen, an funktionierenden lösungsmöglichkeiten, an erfolgreichen modellen, die übernommen werden können. hier einige vorschläge, wie das aussehen könnte.
* nationale ebene: neue koalitionen über die taditionellen grenzen hinweg
sinnvoll wäre eine koalition aus kmu's, anti-globalisierungs-bewegung, kritischen konsumenten (shopping for a better world, clean clothes campaign), rebellischen bauern im stiel von jose bovin, radikalen umweltschützern (greenpeace) und spirituell motivierten menschen. die kampagne «kein ausverkauf des service public», die sun 21 in basel und die swisscoalition gegen die wto-abkommen gehen in diese richtung.
* regionale ebene: schützen wir das lokale, global!
förderung von regionalen wirtschaftskreisläufen
das angestrebte ziel ist das wirtschaftliche überleben der beteiligten landwirtschaftsbetriebe und kmu, auch bei einem starken preiseinbruch für agrarprodukte in der schweiz (eu) und dem weitgehenden wegfall der suventionen und direktzahlungen (wto). für die bevölkerung der region (konsumenten) ist das ziel, die nahrungsmittelsicherheit zu erhalten (bse, gentech), die souveränität über die nahrungsmittelproduktion zu sichern und so eine neue lokale subsistenzwirtschaft (infrastruktur, logistik, markt) vor den globalen agromultis zu schützen. dazu gibt es verschiedene strategien. doch woher nehmen wir zeit und geld? um diese strategien umzusetzen, braucht es materielle und vor allem menschliche ressourcen. Hier zwei lösungsvorschläge:
* netztwerk der fülle, die goldene regel
der zehnten. es gab früher die tradition, zehn prozent seines einkommens für einen religiösen bzw. spirituellen zweck zu spenden. ich möchte deshalb einen zehnten-club gründen, für alle, die diese goldene regel praktizieren und noch bessere, ganzheitlichere projekte suchen. um sich auszutauschen über all die verschiedenen erfahrungen der spender mit ihren empfängern. um sich tipp's zu geben und vor flops zu warnen, aber auch, um selber ideen zu entwickeln und initiativen zu ergreifen. ein wichtiger schritt wäre zum beispiel die entwicklung einer klub-kultur, mit work shop's, veranstaltungen und seminaren über geld und die verschiedenen arten, wie man/frau damit umgehen kann - und was das für konsequenzen hat.
* die reichen armen, ausstieg aus der arbeitsmaschiene
Ideen gibt es genug, was fehlt sind menschen, die zeit, kraft, energie und das nötige know how haben, um die ideen umzusetzen. Der verein «die reichen armen» sucht und organisiert paten und patinnen, die sich vertraglich verpflichten, für 2-3 jahre monatlich einen fixen betrag ab z.b. fr. 500.-- an den verein bzw. direkt an den/die umsteigerIn zu überweisen. Sind genügend paten und patinnen zusammen, kann der/die kandidatIn den sprung wagen und beginnen, eine neue, lebensdienliche existenz aufzubauen. Die um- /aussteigerInnen würden ihren lebensstandard zuerst auf eine nachhaltiges mass gesundschrumpfen, dh. ihre fixen lebenskosten senken und sich für ein sinnvolles projekt engagieren. Die kandidatInnen, die das am besten hinkriegen, hätten dann wohl auch die besten chancen, paten und patinnen zu finden. Man käme so auch eher an hochqualifizierte fachleute heran, die man sonst gar nicht bezahlen könnte. Das ziel wäre, in diesen 2-3 jahren soweit zu kommen, dass das projekt selbsttragend funktioniern würde und so eine neue existenz aufgebaut würde.
* soziale ebene - ein beispiel: DAS Projekt «Dorf in der Stadt», Winterthur stellt sich vor
das «dorf in der stadt» will erlebbar machen, dass sich individualität und gemeinschaft nicht ausschliessen, sondern gegenseitig bedingen. es verbindet in gewissem sinne archetypisch dörfliche und städtische qualitäten: langsamkeit und schnelligkeit, traditionsbewusstsein und aufgeschlossenheit für neues, überschaubarkeit der kontakte und vielfalt der begegnungsmöglichkeiten, naturnähe und kulturleben, ruhe und belebtheit, altes wissen und neue technologien, abgeschlossenheit und weltoffenheit, verbindlichkeit und freiwilligkeit, ...
informationen bei matthias gerber, 052 222 79 62, beck.gerber@befree.ch
markus rüegg
ganzer text:
strategien für den paradigmawechsel
wenn wir eine neue welt kreieren wollen,
müssen wir sie vor allem selber leben, hier und jetzt.
«small is beautifull», «global denken - lokal handeln» «globalisierung von unten».... das bewusstsein ist bei vielen da, aber es mangelt noch an konkreten beispielen, an funktionierenden lösungsmöglichkeiten, an erfolgreichen modellen, die übernommen werden können. hier einige vorschläge, wie das aussehen könnte.
nationale ebene:
neue koalitionen
kmu plus
wir leben seit 5000 jahren in einer patriarchalen kriegskultur, die sich regelmässig selber zerstört. obwohl die global players nur ca. 5-10% der arbeitsplätze stellen (und gleichzeitig die grossen arbeitsplatzvernichter sind, vor allem im süden), beherrschen sie immer mehr lebensbereiche. finanz- und fiskalpolitik, militär und polizei, massenmedien, handel, politik, high-tech, forschung und entwicklung, suchtmittel, werbung... alles, was wichtig ist für die aufrechterhaltung der herrschaft, ist in ihrem besitz oder wird von ihnen kontrolliert. sie sind die modernen raubritter im globalen wirtschaftskrieg, die schmarotzer in jeder volkswirtschaft, die blutsauger der armen, die zerstörer des ökosystems.
um sich gegen die diktatur der konzerne zu organisieren, verbündet man/frau sich wohl am besten mit denjenigen, deren materielle existenz durch die neoliberale wirtschaftspolitik als nächste vernichtet werden soll (kmu's, bauern...). da jene, die angeben, ihre interessen zu vertreten (gewerbe- und bauernverband) in wirklichkeit das gegenteil machen, braucht es ganz neue koalitionen (s. swisscoalition). da auch sp, grüne, und viele gewerkschaften/verbände sich für die interessen der global players stark machen (eu), fallen diese als allfällige bündnispartner weg. an der basis dieser institutionen kann es jedoch ganz anders aussehen.
sinnvoll wäre eine koalition aus kmu's, anti-globalisierungs-bewegung, kritischen konsumenten (shopping for a better world, clean clothes campaign), rebellischen bauern im stil von jose bovin, radikalen umweltschützern (greenpeace) und spirituell motivierten menschen. Die kampagne «kein ausverkauf des service public», die sun 21 in basel und die swisscoalition gegen die wto-abkommen gehen in diese richtung.
regionale ebene:
schützen wir das lokale, global!
konzept zur förderung von regionalen wirtschaftskreisläufen
sollte die eu-osterweiterung realisiert werden, rechnen die landwirtschaftsspezialisten mit einem sinken des preisniveaus für agrarprodukte in der eu um weitere 50%. das preisniveau in der schweiz ist aber schon heute 50% über demjenigen der eu. sobald die neoliberalen konzepte der strukturanpassungsprogramme (sap) auch in der schweizerischen landwirtschaftspolitik durchgesetzt werden, wird damit gerechnet, dass die hälfte (!) aller bauernbetriebe eliminiert wird. wie das funktioniert, kann man/frau am beispiel der usa beobachten. überleben werden nur noch grossbauern, die dann nach und nach von agrokonzernen aufgekauft werden. wenn wir aber verhindern wollen, dass uns in europa und in der schweiz dasselbe passiert wie den amerikanischen farmern, müssen wir handeln.
wenn wir eine neue welt kreieren wollen,
müssen wir sie vor allem selber leben, hier und jetzt.
die komponenten:
1. uster plus
uster plus ist ein verein, in dem sich produzenten, detaillisten und konsumenten zusammengeschlossen haben, um die vermarktung und den konsum der produkte aus der eigenen region zu fördern. das wurde ermöglicht durch eine neue koalition über die parteigrenzen hinweg. es gibt sowohl svp- als auch sp- mitglieder. der verein ist auch mehr als eine neue marketingstrategie zum verkauf der eigenen produkte in einem übersättigten markt. das neue an uster plus ist, dass auch die bevölkerung der region mit ihren interessen als konsumenten im verein vertreten ist. die nachfrage ist so gross, dass die produzenten nicht genügend liefern können, um diese zu befriedigen. es besteht anscheinend ein grosses bedürfnis, das lokale zu schützen (lädelisterben), und man/frau ist bereit, für produkte aus der region einen höheren preis zu bezahlen.
2. talent tauschkreis voralberg
es gibt heute ca. 2500 tauschkreise auf der ganzen welt, mit dem zweck, regionale wirtschaftskreisläufe zu fördern. von den tauschkreisen im deutschen sprachraum ist der talent tauschkreis voralberg m.w. derjenige, der am professionellsten aufgebaut ist.
sobald sich 25-30% der gewerbebetriebe an einem regionalen wirtschaftskreislauf mit eigener währung beteiligen, entsteht ein markt, der eine eigendynamik entwickelt. das ist vor allem dann möglich, wenn das ganze über die offiziellen politischen kanäle der gemeinde (gemeinderat und gemeindeversammlung) und ihrer institutionen (regionalbank, läden) läuft und auch steuern und gebühren mit der gemeindeeigenen währung bezahlt werden können. in voralberg haben fünf gemeindepräsidenten aus voralberger gemeinden an einer geldtagung teilgenommen und diskutierten dort die möglichkeit, in ihrer gemeinde eine komplementärwährung einzuführen.
3. komplementärwährung mit eigener geldschöpfung
es wäre durchaus möglich, mit einer eigenen währung noch weiter zu gehen. das potential, das eine eigene währung bietet, wurde bisher nur sehr rudimentär genutzt. sie dient vor allem dazu, den abfluss des geldes aus der region zu verhindern und den eigenen markt zu schützen. dadurch, dass man/frau mit einer eigenen währung auch geld schöpfen kann, birgt eine komplementärwährung auch ein enormes potential, um einen regionalen wirtschaftskreislauf zu erhalten, zu fördern oder aufzubauen (invesitionen, zinslose kredite und hypotheken). es gibt ganz verschiedene versionen. es geht darum, eine massgeschneiderte lösung für die örtlichen begebenheiten zu entwickeln. überregional gibt es clearingstellen und kooperationen zwischen den verschiedenen tauschkreisen.
4. gemeinschaften, kooperationen, genossenschaften, netzwerke...
es gibt unterschiedliche motive, eine gemeinschaft zu bilden: zusammenarbeit statt dem kampf alle gegen alle, zusammen arbeiten oder leben statt der vereinzelung und anonymisierung, minimierung der fixen lebenskosten, verbesserung des sozialen zusammenhangs, förderung der menschlichen entwicklung.... Beispiele: www.fintan.ch, hofgemeinschaft «felsenruh», gruebisbalm, 6354 viznau, 041 397 20 98, «dorf in der stadt» winterthur, informationen bei matthias gerber, 052 222 79 62, beck.gerber@befree.ch
5. patriarchat
wir leben in einer patriarchalen herrschaftskultur und sind daran, uns unser eigenes grab zu schaufeln. wenn wir überleben wollen, müssen wir uns wandeln. jede transformation beginnt im kopf und im herzen. die gegenwärtige periode der menschlichen entwicklung ist aber auch interessant und spannend. 5ooo jahre patriarchaler herrschaft neigen sich dem ende zu. wir sind herausgefordert, etwas neues zu kreieren: gegenseitige hilfe statt konkurrenz, partnerschaft statt herrschaft, eine neue kommunikations-, beziehungs- und konflikt-kultur. ohne diesen prozess des inneren wandels aller am projekt beteiligten wird es schnell am egoismus und den machtansprüchen der einzelnen akteurInnen und den partikularinteressen der beteiligten gruppen scheitern.
das ziel
das angestrebte ziel ist das wirtschaftliche überleben der beteiligten landwirtschaftsbetriebe und kmu auch bei einem starken preiseinbruch für agrarprodukte in der schweiz (eu) und dem weitgehenden wegfall der suventionen und direktzahlungen (wto). Für die bevölkerung der region (konsumenten) ist das ziel, die nahrungsmittelsicherheit zu erhalten (bse, gentech), die souveränität über die nahrungsmittelproduktion zu sichern und so eine neue lokale subsistenzwirtschaft (infrastruktur, logistik, markt) vor den globalen agromultis zu schützen. Dazu gibt es verschiedene strategien.
die strategien
die vier obgenannten komponenten können alle zusammen oder eine nach der anderen umgesetzt werden. es ist aber auch gut möglich, dass nicht alle komponenten, sondern nur eine oder zwei davon umgesetzt werden. um einen regionalen wirtschaftskreislauf zu erhalten, zu fördern und auszubauen, braucht es in erster linie engagierte bauern und bäuerinnen und eine initative gruppe von akteuren mit know how und beziehungen auf allen ebenen. die spurgruppe baut ein richtiggehendes beziehungsgeflecht auf, bis alle qualifikationen und ressourcen da sind, die es für die beabsichtigte kombination der gewünschten komponenten braucht. doch woher nehmen wir zeit und geld? um diese strategien umzusetzen, braucht es materielle und vor allem menschliche ressourcen. Hier zwei lösungsvorschläge:
netztwerk der fülle
die goldene regel
der zehnten
es gab früher die tradition, zehn prozent seines einkommens für einen religiösen bzw. spirituellen zweck zu spenden. früher profitierten davon vor allem die katholische kirche und ihre klöster. sie verkauften sozusagen eintrittstickets in den himmel, schlugen profit aus den seelischen ängsten und nöten ihrer schäfchen und benützen die gaben zur festigung ihrer herrschaft (hexenhammer, inquisition).
heute ist der anteil des einkommens, das die machthaber direkt über staatliche steuern und gebühren, oder versteckter, indirekt über die preise (zinsen, mieten, hypotheken) kassieren, in astronomische höhen gestiegen. ca. 50-60% unseres einkommens müssen wir abgeben, d.h. mehr als die hälfte des jahres arbeiten wir für das system.
die gewissensberuhiger
in der rolle des gewissensberuhigers wurde die kirche im laufe ihres machtzerfalls zunehmend von hilfswerken aller art abgelöst. aber auch viele ngo's haben diese rolle übernommen. auch heute betreiben die allermeisten symptombekämpfung und übernehmen so wichtige funktionen zur stabilisierung und erhaltung des systems. multis wie bp, shell, nestle und ubs betreiben «green washing», sie präsentieren sich ökologisch, sozialverträglich, ethisch, um ihr image aufzupolieren. mehr profit für eine bessere welt? Da kann ja etwas nicht stimmen.
was sind ganzheitliche projekte?
die bewussteren spenderInnen haben aber immer mehr mühe, organisationen oder projekte zu finden, denen sie ihr geld geben möchten. in den zehn jahren, seit ich diese lebensweisheit umzusetzen versuche, habe ich selber einige erfahrungen gesammelt, wie schwierig es schlussendlich ist, etwas zu finden, wo vielleicht nicht alles, aber doch mehr stimmt, als bei den allgemein bekannten organisationen und projekten. etwas das besser ist als greenpeace oder evb. nehmen wir als beispiel das projekt des ökozentrums langenbruck, das pierre güntert vorgestellt hat. ein label im geldbereich hätte eine enorme hebelwirkung. warscheinlich wären die auswirkungen noch viel grösser, als die des knospen-labels im lebensmittelbereich.
das netzwerk der fülle
wichtig ist der aufbau einer struktur zum sammeln und beurteilen von hervorragenden projekten, die geld suchen. so etwas wie eine rating-agentur für die bewertung von ganzheitlichen projekten, die an die wurzel des übels vordringen, das system aber weder bekämpfen noch destabilisieren, sondern mithelfen, es zu transformieren. ganzheitliche projekte, die modelle entwickeln und umsetzen, die das neue paradigma vorwegnehmen. modelle, die im idealfall so gut sind, dass sie einen schmetterlingseffekt auslösen.
wörgel war 1929 z.b. so ein modell. es hatte einen so durchschlagenden erfolg, dass das unbedeutende kleine dörfchen im tirol innerhalb eines jahres zum mekka der wirtschaftswissenschaftler wurde und sich ca. 120 gemeinden im gesamten deuschen sprachraum anschickten, das modell für sich selber zu übernehmen. da die herrschenden in solchen fällen immer sehr offene ohren haben und sehr schnell und brutal reagieren, muss auch das in die strategie einbezogen werden. damit haben sie in wörgel nicht gerechnet. daran sind sie dann gescheitert.
argentinien
wie wichtig solche modelle sind, sieht man z.b. in argentinien. da haben sich diese tauschkreise mit alternativ-währungen explosoinsartig ausgebreitet. waren es vor ein paar jahren erst ein paar dutzend, sind es heute über 5000! in solchen situationen ist es entscheidend, was für ein modell am anfang stand. es geht letztlich um das entwickeln eines neuen geldbewusstseins. wer am work shop von willi maurer war, wird davon vielleicht etwas gespürt haben.
sein und haben
unsere beziehung zum geld im alten paradigma ist haben, halten, besitzen. die extremere form davon ist raffen, firmen übernehmen und märkte erobern. die gier, die geldgier ist eine sucht, die viel gefährlicher, viel zerstörerischer ist als alkohol oder heroin. die geldgier zerstört nicht nur das eigene leben, sondern auch das der mitmenschen, sie zerstört heute unsere lebensgrundlagen in einem globalen massstab. aber die geldgier ist im gegensatz zu harmloseren süchten salonfähig, auch wenn dabei mafia-methoden angewandt werden, wie das beispiel berlusconi zeigt.
das bewusstsein für das neue paradigma ist nicht haben, sondern sein. wir müssen lernen das geld loszulassen, fliessen zu lassen, weniger nehmen, mehr geben. darum der spruch:
reich ist, wer viel hat,
reicher ist, wer wenig braucht,
am reichsten ist, wer viel gibt.
der zehnten-club
ich möchte deshalb einen zehnten-club gründen, für alle, die diese goldene regel praktizieren und noch bessere, ganzheitlichere projekte suchen. um sich auszutauschen über all die verschiedenen erfahrungen der spender mit ihren empfängern. um sich tipp's zu geben und vor flops zu warnen, aber auch, um selber ideen zu entwickeln und initiativen zu ergreifen. ein wichtiger schritt wäre zum beispiel die entwicklung einer klub-kultur, mit work shop's, veranstaltungen und seminaren über geld und die verschiedenen arten, wie man/frau damit umgehen kann - und was das für konsequenzen hat. die heutige veranstaltung ist ein schritt in diese richtung. vielleicht lässt sich jemand begeistern und macht mit. alleine kann und will ich das nicht machen. die idee ist da, auch viele kontakte zu einzelpersonen, netzwerken und firmen, die sich mit geld und alternativen geldanlagen befassen. es gibt auch schon konkrete zusagen, für zusammenarbeit und kooperation. was noch fehlt sind partner/partnerinnen die mitmachen möchten. vielleicht ist jemand unter euch?
die reichen armen
ausstieg aus der arbeitsmaschiene
Ideen gibt es genug, was fehlt sind menschen, die zeit, kraft, energie und das nötige know how haben, um die ideen umzusetzten. Hier ist der kniffligste punkt. Geld zu finden ist schon schwierig genug, aber jemanden zu finden die/der zeit hat. Das ist in unseren hochindustrialisierten ländern das schwierigste. Je reicher, desto weniger zeit. Je weiter oben in der karriere, desto mehr druck, stress und hektik.
Die zufriedenheit mit der arbeit ist kontinuierlich am abnehmen. Immer mehr möchten vielleicht nicht gerade aus- aber umsteigen, etwas anderes machen, etwas sinnvolleres als mit mischen im kampf aller gegen alle. Das potential von menschen, auch in guten positionen, die nicht mehr bereit sind ihre gesundheit, ihre familie, ja ihr ganzes leben für ihre firma zu opfern, nimmt zu. Für diese «umsteigewilligen» sollte eine steigbügelhalter-struktur geschaffen werden, um ihnen beim wechsel auf ein anderes pferd zu helfen.
Der verein «die reichen armen» sucht und organisiert paten und patinnen, die sich vertraglich verpflichten, für 2-3 jahre monatlich einen fixen betrag ab fr. 500.-- an den verein bzw. direkt an den/die umsteigerIn zu überweisen. Sind genügend paten und patinnen zusammen, kann der/die kandidatIn den sprung wagen und beginnen eine neue, lebensdienliche existenz aufzubauen. Die um- /aussteigerInnen würden ihren lebensstandart zuerst auf ein nachhaltiges mass gesundschrumpfen, dh. ihre fixen lebenskosten senken und sich für ein sinnvolles projekt engagieren. Die kandidatInnen die das am besten hinkriegen, hätten dann wohl auch die besten chancen, paten und patinnen zu finden.
Der verein könnte auch als stellenvermittlungsfirma für sinnvolle jobs fungieren oder mit solchen kooperieren. Menschen, die von einer lebensfeindlichen zu einer lebensdienlicher arbeit wechseln möchten, könnte so geholfen werden. Und umgekehrt liessen sich so engagierte menschen für sinnvolle projekte finden, die dann zeit und energie hätten, um sich einzusetzen. Man käme so auch eher an hochqualifizierte fachleute heran, die man sonst gar nicht bezahlen könnte. Das ziel währe, in diesen 2-3 jahren soweit zu kommen, dass das projekt selbsttragen funktioniern würde und so eine neue existenz aufgebaut werden könnte. Genauso wie bei einer neugründung einer firma wird alles professionell geplant, mit marktstudien, budge, businessplan usw., nur dass der sinn und zweck des ganzen nicht die profitmaximierung, sondern etwas ganz anderes wäre.
Copyright bei Markus Rüegg
soziale ebene: ein beispiel
DAS Projekt
«Dorf in der Stadt», Winterthur
stellt sich vor
Das «Dorf in der Stadt» will erlebbar machen, dass sich Individualität und Gemeinschaft nicht ausschliessen, sondern gegenseitig bedingen.
Es verbindet in gewissem Sinne archetypisch dörfliche und städtische Qualitäten:
Langsamkeit und Schnelligkeit, Traditionsbewusstsein und Aufgeschlossenheit für Neues, Überschaubarkeit der Kontakte und Vielfalt der Begegnungsmöglichkeiten, Naturnähe und Kulturleben, Ruhe und Belebtheit, altes Wissen und neue Technologien, Abgeschlossenheit und Weltoffenheit, Verbindlichkeit und Freiwilligkeit, ...
Das &Mac226;Dorf in der Stadt' ist gedacht für ...
Menschen aus Winterthur und naher Umgebung mit einem Bedürfnis nach ...
* zusätzlicher, erweiterter Gemeinschaft neben den bestehenden persönlichen Bezügen (Freundeskreis, Arbeit, Freizeitfeld)
* mehr Kontinuität in den Alltagsbegegnungen und nach gelebter Nachbarschaft
* gelebter Verbundenheit mit dem nahen Lebensumfeld (Winterthur und nähere Umgebung)
* mehr Freude, Lebendigkeit, Sinn und Tiefe im Alltag
* persönlichem Wachstum und Entwicklung für sich und in der Gemeinschaft
* mehr Austausch (Geben und Erhalten) auf verschiedenen Ebenen
* grösserer Verbundenheit verschiedener Lebensfelder
... ein lokales Vernetzungsprojekt
ein offenes, freies, weit verzweigtes Netz von Männern, Frauen, Jugendlichen und Kindern aus ganz Winterthur und naher Umgebung - alles Menschen, denen ihr nahes Wohnumfeld viel bedeutet, die hier an ihrem Wohnort lebendige Beziehungen pflegen, vielfältige Begegnungen erleben und bewusst und achtsam mit ihrem nahen Wohnumfeld umgehen wollen - Menschen, die hier starke Wurzeln schlagen wollen, ... denn das Gute liegt so nah!
... ein Gemeinschaftsprojekt ohne verpflichtendes gemeinsames Zusammenwohnen
Die Dorfmitglieder vernetzen sich von ihren bestehenden Wohnungen aus; sie wohnen überall verstreut in Winterthur und Umgebung. Später können sich aufgrund von persönlichen Wünschen und Initiativen neue, andere Wohnformen und -einheiten bilden.
... ein lebendiger Marktplatz mit Austausch von Talenten, Knowhow, neuen Ideen und Material
das Dorf als Ort des Teilens und Tauschens, auch des «Sich-Mitteilens», das Dorf als «erweiterte Wahlfamilie», als Ort von offener Begegnung und Bildung, wo durch die grössere Kontinuität der Begegnungen Verlässlichkeit, Vertrautheit und ein Gefühl von Zuhausesein wachsen und erlebt werden können. Innerhalb des Dorfes besteht ein Tauschkreis mit eigener Zeitwährung: deru - Holzscheiben mit verschiedenen Zeitwerten!
* vgl. Blatt «Marktplatz - Zeitwährung - Geben und Erhalten - von Bäumen und Vertrauen»
* vgl. Blatt «Persönliche Gaben, Fähigkeiten, Ressourcen, Wünsche, &Mac220;Ich-biete-suche-Inventare&Mac221;»
* ... ein Ort, wo der einzelne mit seinen persönlichen Fähigkeiten / Gaben gefragt ist
Jeder Mensch bringt etwas Unverwechselbares, ein bestimmtes Geschenk in diese Welt, an diesen Ort hier. Deshalb stehen im Dorf die einzelnen mit ihren ganz persönlichen Fähigkeiten, Begabungen, Interessen, Ressourcen und Wünschen im Zentrum. In ursprünglichen Kulturen wurde dieser besonderen Gabe eines Menschen viel Bedeutung beigemessen, wohl auch, weil das Bewusstsein da war, dass die Gemeinschaft, der &Mac226;Stamm' die Fähigkeiten jedes einzelnen braucht, um gut zu leben, resp. zu überleben.
Das klare Erkennen und das Einsetzen der persönlichen Fähigkeiten/Gaben und Interessen wird zur organischen Bildung von Interessen-, Arbeitsgruppen beitragen. Sich dort einzusetzen, wo es stimmt, gibt Energie und schafft Befriedigung.
Die Grundidee der ureigenen Gabe jedes Menschen in der Welt stellt einen positiven Gegenpol dar zum heutzutage so verbreiteten wertenden Denken in Hierarchien, mit Macht und Privilegien, denn... jede Gabe ist einmalig und in sich wertvoll, unverzichtbar, keine ist in sich wichtiger als die andere.
* vgl. Blatt «Persönliche Gaben, Fähigkeiten, Ressourcen, Wünsche, &Mac220;Ich-biete-suche-Inventare&Mac221;»
* vgl. Blatt «Interessen- und Arbeitsgruppen, Themenbereiche, Aufmerksamkeiten und Aufgaben ...»
... ein Ort für Begegnung über gängige Grenzen hinweg, ein Ort vielfältiger Kulturen
Klar gewünscht ist eine grosse Vielfalt der Menschen in diesem Dorf (alle Generationen, diverse Schwerpunkte und Interessen, verschiedenste Berufe, Nationalitäten, ethische/spirituelle und politische Hintergründe) und eine Offenheit für verschiedenste Lebensformen. In unserer Gesellschaft bestehende Gräben können im Dorf immer wieder im Kleinen übersprungen werden.
... ein Ort für persönliches und gemeinschaftliches Wachstum
In der Auseinandersetzung mit sich selbst, in der Begegnung mit andern und dem Entdecken der Stadt und der nahen Umgebung liegt viel Zugehörigkeits- und Lernpotential. Das Dorf ist ein Ort für Lernen, Entwicklung und Wachstum an den alltäglichen Herausforderungen, die das Leben stellt. Basis dafür bieten u.a. die tragenden Grundwerte des Dorfes.
* vgl. Blatt «Tragende Grundwerte, Leitbild, Ethik»
... ein Ort für Begegnung, Offenheit und Freude
Das «Dorf in der Stadt», Winterthur steht für Lebenslust, spontane Gemeinschaft, Begegnungen, Feste feiern, man trifft sich, erzählt sich, unterstützt sich, ... Es bietet auch die Chance, mit besonderen Interessen andere Gleichgesinnte zu finden. Dorfbeteiligte treffen sich an verschiedensten Orten und Anlässen (dorfintern, darüber hinausreichend, von andern organisiert). Das Dorf kann überall sein; es ist nicht klar abgegrenzt.
* vgl. Blatt «Werkpapier Anlässe und Treffpunkte»
... ein Ort von grundsätzlicher Freiwilligkeit - doch mit Verbindlichkeit und Verlässlichkeit
Alle Angebote im Dorf sind freiwillig; jede/r wählt für sich, wo und wie er/sie sich engagieren will. In Gruppen und Begegnungen gelten dann jedoch Werte von Verbindlichkeit und Verlässlichkeit, um gegenseitig Vertrauen aufbauen zu können. Das Dorf bietet viele Möglichkeiten gemeinsamen Aktiv-Seins; es ist jedoch kein «Konsumtempel».
... ein Wurzel-/Basisprojekt
Das direkte Leben kommt von der Basis, von einzelnen oder im Dorf aktiven Gruppen, wo auch die Hauptentscheidungskompetenz liegt, bei den Fachfrauen und -männern in ihrem Gebiet. Das Dorf kommt aus ohne hierarchische, zentralistische Struktur, nur mit einem beratenden, aber nicht selbst bestimmenden / entscheidenden Dorfrat.
Es ist so auch ein Lernprojekt für einen anderen, konstruktiven Umgang mit Macht (natürliche Autorität fördern, kein Herrschaftsgebaren).
* vgl. Blatt «Interessen- und Arbeitsgruppen, Themenbereiche, ... / Dorfstruktur»
... ein neues Projekt mit vielen inspirierenden Ideen
Samen voller Lebenskraft, die - so hoffen wir alle - auf fruchtbaren Boden fallen und einen lebendigen Garten entstehen lassen, dessen Aussehen und Charakter sich jetzt erst erahnen lässt und der viele Überraschungen bereithalten wird.
Das «Dorf in der Stadt» bietet viel !!!
Für das «Dorf in der Stadt» entstanden spontan viele Ideen, was es bieten kann, auf ganz verschiedenen Ebenen, z.B. :
* Austausch von Talenten, Knowhow, Material und andern Ressourcen: vom Rasenmäher übers kleine Festzelt bis zur Ferienwohnung, vom Computerwissen bis zum Gesangsunterricht
* «Workparties», z.B. Fensterladenstreich-, Biotopaushub-, Veloflickfest; warum bei solchen und anderen Arbeiten nicht gleichzeitig Beziehungen pflegen und vertiefen - natürlich gegenseitig!
* Gegenseitige Unterstützung im Alltag: vom Mittagstisch über gemeinsame kreative Formen im Umgang mit Krisen bis zu zeitlich beschränkten Mitwohnangeboten
* Feste feiern vom Quartierfest bis zu neugeschaffenen Festen im Alltag (Geburtstag, Hauseinweihung...) und zu Lebensübergängen (z.B. bei der Geburt, Erwachsenwerden, Heirat, Abschiede)
* «Offenes Haus»: z.B. jeden Abend ist ein Haus des Dorfes offen für Besuche (ohne Anmeldung) oder man weiss, dass immer dann und dann in einem bestimmten Haus eine Suppe bereitsteht
* «Teilet» eines Mietobjektes in der Stadt als lebendiger Treffpunkt (z.B. kleine Fabrikhalle) oder eines Ferienhauses in den Bergen oder eines Weidlings auf dem Rhein oder...: wenn z.B. 50 oder 100 TeilhaberInnen mitmachen, kostet das den einzelnen nicht mehr viel!
* ... noch viel mehr!
- und all das mit andern Menschen, die man im «Dorf in der Stadt» immer wieder trifft, bei verschiedenen Anlässen, an Festen und Feierlichkeiten des Dorfes oder von einzelnen, in Interessen- oder Arbeitsgruppen, beim Diskutieren (z.B. Gesprächsabende zu brennenden Themen), beim Tanzen (z.B. Dance Free) - und im Alltag selbst (beim Einkaufen, beim Spazieren, im Quartiertreffpunkt, ...).
* vgl. Blatt «Werkpapier Anlässe und Treffpunkte»
Zum Abschluss
Inspiration hat die «Dorf-in-der-Stadt-Idee» u.a. erhalten durch die Begegnung mit dem Archetyp des Stammesdorfes, durch die Beschreibungen eines ursprünglichen afrikanischen Dorfes von Malidoma Somé (u.a. «Vom Geist Afrikas») und Sobonfu Somé (u.a. «Die Gabe des Glücks»); hier findet sich die Idee von einer Gemeinschaft, welche das Individuum in seiner Ganzheit und Einzigartigkeit wahrnimmt und unterstützt, und welche ihrerseits wieder von den ihr zugehörigen Menschen getragen und genährt wird.
Die zentrale Frage des persönlichen Umgangs mit Zeit und der persönlichen Prioritätensetzung wird sich stellen. Ein Dorf beginnt nur zu leben, wenn die &Mac226;BewohnerInnen' Zeit und Energie einbringen.
Das Dorfprojekt will auch Anstösse geben für einen anderen, konstruktiveren Umgang mit Geld und materiellen Ressourcen (sparsamer und mehr allen dienend und teilend).
Der weitere Weg für das Dorf ist so geplant:
In einer nächsten Phase (ca. 6-9 Monate, bis ca. Ende 2001) soll sich zeigen, ob die Dorfidee in Winterthur auf fruchtbaren Boden fällt, ob sich genug Interessierte dafür finden, ob das Dorf ein kräftiges Eigenleben entwickelt und seinen Namen findet. Entstehen aktive Interessen- und Arbeitsgruppen? Entsteht ein lebendiger Tauschkreis? Kann die Vernetzungsaufgabe des Dorfes («Büro und Organisation») befriedigend gelöst werden? Wird die ideale äussere Struktur für das Dorf gefunden (Verein, Genossenschaft, ...)?
In dieser Phase begleitet noch eine Spurgruppe das Wachsen des Dorfes (Interessierte PlanerInnen und DenkerInnen dafür melden ihr Interesse bei Mitgliedern der aktuellen Spurgruppe, siehe unten).
Nach dieser Phase soll das Dorf in die Form überführt werden, wie sie in den jetzt vorliegenden Unterlagen beschrieben ist, d.h. mit aktiven Gruppen und beratendem Dorfrat, ohne zentrales Entscheidgremium.
Nähere Infos, Einblick in die Dorf-Inventar-Ordner und Zustellung der mehrseitigen Dorf-Doku (für Fr. 10.- Unkostenbeitrag oder zur Ansicht) bei den Mitgliedern der aktuellen Spurgruppe (Stand Juni 2001): «dorf in der stadt» winterthur, informationen bei matthias gerber, 052 222 79 62, beck.gerber@befree.ch
KMU plus
Wirtschaftspolitischer Informationsdienst
Täusistrasse 19
CH-8340 Hinwil, Markus Rüegg
tel/fax: +41-1-937 30 00 handy: +41-79-693 55 66 konto: alternative bank olten 011 9111.003.000.001
email: mr@KMUplus.ch internet: www.versoehnungstattkrieg.ch
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